Im rauen Norden: Riga | Ein Reisebericht

Nachdem ich bei josieloves von Sarahs Plan gelesen habe, 90% der Welt zu bereisen (sie selbst gibt an, erst 16% bereist zu haben – trotz Weltreise und Bloggerdasein), hat mich der Ehrgeiz auch gepackt und ich möchte so viel wie möglich neue Städte und Länder besuchen.

90% sind dabei allerdings ein sehr ambitioniertes Ziel; viele der Länder interessieren mich entweder nicht, oder sind mir mitunter zu gefährlich. Die meisten Städte in Europa haben aber den Vorteil, dass sie easy übers Wochenende zu besuchen sind und so haben wir über die App weekend.com (vormals weekengo) nach einer Stadt in Europa gesucht, in der man gut ein Wochenende verbringen kann. Und so stießen wir auf Riga. Zugegeben, von alleine wäre ich wahrscheinlich gar nicht auf die Stadt an der Düna gekommen, die tatsächlich sogar Weltkulturerbe Status innehat und der viele nachsagen „im Kommen“ zu sein. Aber Dank der App wurde es eben Riga und wir waren ganz gespannt und voller Vorfreude auf dieses kurze Wochenende im Norden.

Riga befindet sich übrigens eine Zeitzone weiter, weshalb man meinen könnte, die Zeit sei für einen Wochenendausflug zu kurz. Immerhin verliert man beim Hinfliegen noch eine Stunde. Mit seinen 700.000 Einwohnern und einer kleinen Innenstadt ist die Stadt tatsächlich aber doch sehr überschaubar und an einem Wochenende gut machbar. Globetrottern würde ich sogar raten, den Besuch noch mit einer anderen Stadt, wie etwa Vilnius, zu verbinden, um das Wochenende optimal auszunutzen.

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Tag I

Der Flieger ging um 19:40 Uhr von Berlin Tegel nach Riga – eine ideale Reisezeit für Berufstätige, die wirklich nur übers Wochenende nach Riga wollen. Der Flieger von AirBaltic startete sehr pünktlich (überhaupt scheint AirBaltic die pünktlichsten Airline Europas zu sein) und so setzten wir gegen 22:00 Uhr (der Zeitverschiebung sei Dank…) auf lettischem Boden auf. Glücklicherweise ist der Flughafen nicht weit entfernt von der Innenstadt. Wir hatten uns im Vorfeld informiert: Anscheinend fährt ein Linienbus vom Flughafen, der ein paar wenige Euros kostet. Auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit nahmen wir uns aber einfach ein Taxi und fuhren direkt in unser Hotel Radisson Blu Elizabete, um kurz einzuchecken und unsere Koffer abzugeben. Das Taxi war übrigens wirklich günstig (ca 9 €) und der Taxifahrer wollte auch kein Trinkgeld, insofern war das wohl die richtige Entscheidung.

In Riga gibt es mehrere Radisson Hotels, eines davon ist in einem der höchsten Gebäude der Stadt eingerichtet und beinhaltet im 26 Stock ein Restaurant mit Bar und Tanzfläche. Die Skyline Bar scheint der ganze Stolz der Rīdzinieki (so heißen die Einwohner Rigas laut Wikipedia ;)) zu sein, denn die Bar wurde uns im Laufe des Wochenendes von mehreren Einwohnern empfohlen.

Nach 17 Uhr kostet die Fahrt in den 26. Stock 5€ pro Person, Hotelgäste und Radisson Club Member sind jedoch frei (ein Glück hatte ich 10 Minuten vorher beim Check In in „unser“ Radisson eine Mitgliedschaft abgeschlossen….) und die Fahrt lohnt sich, immerhin bekommt man so schon einen ersten tollen Ausblick über die Stadt. Die Cocktails in der Skyline Bar sind interessant und zeitgemäß modern, ich hatte den Clavis Riga, einen Drink, der mit Black Balsam gemixt wird – dem Likör Rigas, wie wir festgestellt haben. Der Drink war durchaus lecker, der Geschmack des Black Balsam – soweit ich ihn in einem Drink bewerten kann – erinnerte mich ein wenig an Jägermeister, nur weniger scharf. Nach den Drinks und ein paar eher kleinen Snacks gingen wir dann aber doch nach Hause, um den Samstag nicht komplett zu verschlafen.

Tag II

Frühstücken in Riga

Wir hatten uns den Wecker auf 09:30 Uhr gestellt (immerhin wollten wir am Wochenende zwar ausschlafen, jedoch nicht den ganzen Trip verschlafen) und eine Reservierung im nahegelegenen Riits zum Frühstück. Die Reservierung wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen, denn zumindest um 10:30 Uhr waren wir fast die einzigen Gäste. Unverständlicherweise, denn das Café entpuppte sich als tolle Adresse. So toll, dass wir am nächsten Tag direkt wieder dort gefrühstückt haben. Die Karte war zwar durchaus überschaubar, aber sehr lecker und mit tollen und interessanten Speisen bestückt. Wir nahmen jeweils einmal die Eggs Benedict und zusätzlich noch die „Quark Pancakes“. Die Eggs Benedict mit extra Avocado waren himmlisch, die Quark Pancakes eher gewöhnungsbedürftig für unseren persönlichen Geschmack; wenn man auf Quark steht aber sicherlich eine leckere und sogar gesunde Alternative.

Kostenlose Stadtführung

Nach dem Frühstück beeilten wir uns, um schnell in die Altstadt zu kommen. Jeden Tag treffen sich interessierte Touristen um 12:00 Uhr vor der St. Petri Kirche, um sich Riga bei einer kostenlosen Stadtführung zeigen zu lassen. So hatten wir es zumindest im Vorfeld im Internet gelesen. Tatsächlich gibt es aber nicht nur diese eine Stadtführung, sondern viele verschiedene. Um 10:00 Uhr hatte wohl schon eine weitere Stadtführung durch die Altstadt geführt, die Führung um 12:00 Uhr führt euch insbesondere durch die Suburbs und zeigt das „echte“ Leben Rigas. Die Tour um 12:00 Uhr ist auf zweieinhalb Stunden angesetzt, weshalb wir uns nach einigen Minuten abgeseilt haben. Es war einfach zu kalt, der Wind wehte eisig durch die Straßen, es begann zu schneien und bei solch einer Führung steht man doch eher nur herum und wartet entweder auf andere, oder lässt sich etwas erklären. Grundsätzlich wirkte der Tourguide jedoch sehr sympathisch und wäre es wärmer und von den Temperaturen her angenehmer gewesen, hätten wir die Tour bestimmt bis zum Ende durchgezogen. Übrigens ist die Stadtführung zwar kostenlos, es gehört sich aber dennoch, dem Tourguide am Ende ein paar Euros in die Hand zu drücken.

Altstadt

Wir erkundeten die Altstadt dann auf eigene Faust. Die vielen bunten Häuschen, viele im Jugendstil, erinnerten ein wenig an deutsche Altstädte. Und tatsächlich, das mehr oder weniger einzige, das wir aus der Stadtführung mitgenommen haben, war, dass Riga von einem Bremer Bischof gegründet und von deutschen Kaufleuten geprägt wurde. Deshalb befindet sich auch eine Kopie der Bremer Stadtmusikanten vor der St. Petri Kirche in Riga.

Wir schlenderten ein wenig durch die vielen Gässchen und Straßen bis hinunter zum Fluss, aber da das Wetter immer ungemütlicher wurde, verschlug es uns schnell in ein nachfliegendes Café um uns aufzuwärmen.

Kaffee & Kuchen

Im Vorfeld hatte ich bereits das Kuuka Café markiert und so liefen wir dort hin. Die Entscheidung sollte nicht die falsche sein, denn draußen begann es immer mehr zu schneien und so war es mehr als angenehm, auf der gemütlichen Fensterbank einen heißen Ingwer-Zitrone-Tee zu trinken.

Ich greife nun ein bisschen vor, da es thematisch so gut passt. Das ganze Wochenende über wollten wir ins Restaurant Pagalms, über das ich auf einem anderen Blog im Vorfeld einen sehr positiven Bericht gelesen hatte. Tatsächlich geschafft haben wir es aber erst ganz am Ende der Reise, nämlich kurz vor unserem Abflug am Sonntag. Das Pagalms lag nämlich doch etwas entfernt von unserem Hotel, aber mehr oder weniger auf dem Weg zum Flughafen. So dachten wir, würden wir einfach in Richtung Flughafen dort Halt machen, um noch etwas zu essen und das Wochenende so gemütlich zu beschließen. Leider war die Küche um 16.00 Uhr schon geschlossen und das Pagalms hatte auch nur bis um 17:00 Uhr geöffnet. Dafür gab es Oreo-Torte – und die hatte es in sich. Insgesamt war das Restaurant sehr schön, modern und zeitgemäß gestaltet und lag inmitten eines Parks, neben einem Tennisplatz. Wir haben uns gefragt, ob das Restaurant so eine Art „Vereinshaus“ darstellt… das muss toll sein, nach dem Tennisspielen in so einem Restaurant mit der Mannschaft abzuhängen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Da wir total hungrig waren, fragten wir die Kellnerin, ob sie etwas Brot mit Öl übrig hätte… sie schaute uns erst etwas verdutzt an (vielleicht kennt man das so im hohen Norden nicht?), brachte uns dann aber unfassbar leckeres Foccacio mit Zitronenpesto… das am Ende nicht mal auf der Rechnung stand. Ihr merkt schon, ich kann das Pagalms wirklich wärmstens empfehlen.

Restaurants in Riga

Generell haben wir in Riga wirklich hauptsächlich nur gegessen. Zu unserer Verteidigung muss ich aber sagen, dass es nicht sooo viel mehr zu tun gibt und das Essen nicht nur super lecker, sondern auch unfassbar günstig ist. Insofern hat es Spaß gemacht, von einem Restaurant zum anderen zu laufen und sich durchzufuttern.

Am ersten Tag waren wir gegen Nachmittag im The Catch, von dem ich im AirBaltic Magazin, das im Flugzeug standardmäßig im Sitz „auslag“, gehört hatte. Das Essen und die Einrichtung erinnern mich ein bisschen an das DUDU in Berlin, vielleicht ist das The Catch einen Tick skandinavischer. Die Kellnerin erklärte uns, dass wir mehrere Gerichte probieren und diese dann teilen sollten. Da wir beide aber weniger Hunger als Appetit hatten und noch Platz fürs Abendbrot lassen wollten, bestellten wir nur drei Gerichte: „Tori karaage“ (chrispy free range chicken), Bluefin Tuna mit Avocado und Shichimi als Poke sowie die „Chicken Ramen“. Alles war sehr lecker und qualitativ hochwertig. Die Preise waren für Rigaer Verhältnisse zwar etwas teurer, im Vergleich zu den meisten Städten aber durchaus angemessen und in meinen Augen auch fair.

Am Abend gingen wir dann ins Cod Restaurant & Bar, das mir ebenfalls im Magazin von AirBaltic ins Auge gesprungen war. Hier wurden wir leider doch negativ von den Preisen überrascht. 5 € für 1 Stück Nigiri wäre selbst in Berlin teuer und – zum Vergleich – kostete ein Stück Nigiri im The Catch (das auch schon zur hohen Preiskategorie Rigas zählt) um die 3€. Ich bestellte dennoch, denn schließlich wollte ich alles einmal ausprobieren und war nicht umsonst in eine Restaurant, das sich mit erstklassigem Fisch brüstet – und wurde wirklich enttäuscht. Bestellt hatte ich Tuna Makis, die mit 14,50 € wirklich einen happigen Preis hatten. Meine Erwartung war dementsprechend hoch, aber als das Essen kam und sich ein penetranter Fischgeruch breit machte, war mir der Appetit beinahe schon vergangen, bevor ich starten konnte. Die Kombination mit Rettich war auch nicht so meins und die Algen obendrauf waren taten ihr übriges… Ich wollte etwas sagen, leider kam der Kellner aber gar nicht mehr vorbei und ich musste den Teller schon demonstrativ an die Kante des Tisches stellen und wild gestikulieren, um auf mich aufmerksam zu machen. Immerhin: als er dann endlich kam, wollte er es wieder gut machen und bot mir ein anderes Tuna Gericht an. Der Appetit auf Tuna war mir jedoch an dieser Stelle vergangen und so bestellte ich einfach Edamame. Die hatten wir zuvor schon gehabt und für gut befunden. Die Edamame kamen aber leider nie und auch der Kellner ließ sich nicht noch einmal blicken, sodass wir schließlich frustriert die Rechnung orderten. Immerhin sprach uns der Host beim Verlassen des Restaurants noch einmal an und bat uns um Feedback. Anscheinend waren an diesem Tag wohl alle Kunden durchweg unzufrieden und die Belegschaft vermutete eine schlechte Nachricht oder das Wetter als den Grund…Naja…

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Das COD ist nicht nur Restaurant, sondern auch Bar und die Drinks waren im Gegensatz zum Essen wirklich absolut lecker und besonders. Wir hätten gerne noch einen zweiten Drink bestellt (leider kam wie gesagt der Kellner nicht mehr), aber alles in allem war der Laden schön eingerichtet und ich würde – zumindest auf einen guten Drink und ein paar Edamame– definitiv noch einmal dort hingehen. Vielleicht geb ich dann auch dem Essen eine zweite Chance…

Wir haben übrigens in beinahe allen Restaurants kurzfristig vorher eine Reservierung abgeschickt und meist auch prompt eine – positive – Antwort bekommen. Benötigt hätten wir die Reservierung gefühlt dennoch nicht einmal, denn nicht nur auf den Straßen, auch in den Restaurants und Bars war es in Riga meist überschaubar besucht.

Empfehlen kann ich folgende Restaurants:

x PAGALMS

x THE CATCH

x RIITS RESTAURANT (Frühstück!)

Und folgende Bars:

x COD BAR

x SKYLINE im Radisson Blu

Tag III

Shoppen in Riga

Da wir am Samstag schon die Altstadt erkundet hatten, haben wir uns den Sonntag zum schlendern durch das Szene Viertel CENTRS freigehalten. Leider war das ein wenig doof geplant von uns, denn wie sich herausstellte, waren die Geschäfte und Boutiquen, die sich rund um die Straßen der beiden Radisson Hotels befinden, am Sonntag geschlossen. Grundsätzlich muss ich aber leider sagen, dass Riga definitiv keine Stadt zum Shoppen ist. Klar, Lettland ist jetzt auch nicht als DAS Modeland bekannt, aber von einer Stadt die „so im Kommen ist“, wie es mir von so vielen im Vorfeld über Riga erzählt wurde, hätte ich doch mehr erwartet. Wenigstens ein paar mehr szenige Cafés, Boutiquen oder Concept Stores hätte ich doch gehofft in Riga zu finden. Vielleicht haben wir die auch verpasst und ich tue Riga unrecht – ich kann auf jedem Fall jedem Wochenendbesucher empfehlen, die Shopping Tour auf dem Samstag zu legen, da hat man definitiv mehr von.

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Sonntags in Riga

Da Shoppen diesem Tag ausfiel und auch sonst generell sehr wenige Restaurants, Cafés und Bars am Sonntag geöffnet hatten, entschieden wir, erneut in die Skyline Bar des Radisson Hotels zu fahren um uns Riga von oben nun noch einmal bei Tageslicht anzuschauen. Dies stelle sich heraus, eine gute Wahl zu sein, denn so habe ich jetzt noch einmal ein schönes Foto von Riga schießen können.

Danach gingen wir ins Hotel zurück, das uns freundlicherweise einen kostenfreien Late Check Out um 17 Uhr ermöglich hatte (wo gibt es denn sowas?!?!) und nutzten den Fitness- und Saunabereich.

Anschließend fuhren wir zum Pagalms, eigentlich um Mittag zu Essen – meine Erfahrungen hatte ich ja bereits weiter oben geschildert – und fuhren von da schließlich zum Flughafen. Der Flieger von AirBaltic ging erneut pünktlich zurück und wir kamen gegen 19:30 Uhr zu Hause in Berlin an – eine ideale Zeit, um noch eine Wäsche anzuschmeißen und das Wochenende gemütlich ausklingen zu lassen.


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