Nizza (oder auch: das Italien Frankreichs).

Um die vielen Wochen bis zu unserem großen Urlaub im Herbst zu überbrücken, fuhren wir Anfang September nach Nizza. Die Flugzeiten sind für einen kleinen Wochenendausflug zumindest von TXL ideal und so kamen wir am frühen Abend in pünktlich zum Sonnenuntergang in Nizza an. Da wir den ganzen Tag normal gearbeitet haben, hatten wir natürlich Hunger mitgebracht. Und so brachten wir nur unser Gepäck in unser Hotel, um danach direkt die Umgebung zu erkunden. Wir wurden ziemlich schnell fündig, und wie: im Restaurant La Langouste gab es nicht nur etwas für den Magen, sondern auch für's Auge. Im Hinterhof des Restaurants konnte man in mediterraner Atmosphäre sitzen und entspannt den Abend ausklingen lassen. Preislich war das Essen im Rahmen, wenn auch nicht gerade billig. Bei der dekorativen Gestaltung der Gerichte könnte man beinahe vermuten, dass das Restaurant einen Stern anstrebt. Als Willkommensgruß von Nizza war dieses Restaurant auf jeden Fall ideal und setzte die Messlatte für die folgenden Tage ziemlich hoch (Spoiler: Es wurde auch nciht mehr übertroffen).

Im Anschluss gingen wir in unserem Hotel um die Ecke früh ins Bett, um das bevorstehende Wochenende in Nizza voll auszukosten.

TAG I

Wir hatten kein Frühstück im Hotel gebucht, um die Kultur und Kulinarik von Nizza voll ausschöpfen zu können. Deshalb gingen wir am nächsten Morgen direkt los in die Stadt und hielten nach einem Café mit Croissants, Café und Orangensaft Ausschau, wie wir es von Paris schon kannten.

Unser Weg führte uns über den imposanten Place Masséna, der mit seinem Schachbrettboden und den mit Wölbungen überdachten Gehwegen eine ganz besondere Kulisse darstellt.

Wir liefen also über die schönen Fliesen, gesäumt von Fassaden in Rosa und Gelb, vorbei an der Fontaine du Soleil bis hinunter in die Rue Saint-François de Paule, eine Parallelstraße zur weltbekannten Promenade des Anglais am Meer. Dort holten wir uns in der Boulangerie Jeannot ein leckeres Feigen-Baguette, gleich mehrere Croissants au Chocolat und einen frischgepressten Osaft sowie einen Café au Lait. Vor dem Café kann man gekauftes Gebäck an Tischen und Stühlen auch direkt verzehren, ein wirklich schöner Ersatz also für die leider sehr raren Frühstückscafés in Nizza.

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Nach dem Frühstück gingen wir zur populären Promenade des Anglais um das wunderschöne, türkisfarbene Meer zu sehen. Der Strandabschnitt ist typisch für eine Rivera-Stadt, liegt direkt an der (stark befahrenen) Straße und ist eher kurz. Zudem gibt es leider keinen feinen Sandstrand, sondern Kieselstand, man muss sich also eine polsternde Unterlage und Schwimmschuhe mitbringen, sollte man tatsächlich beabsichtigen, dort zu schwimmen. Oder man checkt sich in einen der vielen Beach Clubs ein und bucht eine Liege direkt am Meer. Trotz des steinigen Untergrunds (oder gerade deshalb?) ist der Srand aber wunderschön. Sicherlich tragen auch die Kieselsteine einen großen Teil zu der wunderschönen, türkisen (oder besser: azurblauen) Farbe des Meeres bei.

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Unsere kurze Zeit wollten wir aber lieber nicht am Strand verschwenden – auch wenn der Anblick noch so schön war. Viel lieber wollten wir das ganze von oben sehen: und wagten den Anstieg auf den Schlosshügel Nizzas; wobei wir dazu aber zu erst einmal die Altstadt Nizzas durchqueren mussten. Und die hat uns echt überrascht. Hätten die Franzosen nicht in regelmäßigen Abständen ihre Flagge an Hauswänden angebracht, hätte ich gedacht, ich sei in irgendeiner Stadt in der Toskana. Zu sehr erinnert die Architektur der Gebäude an Italien. Das liegt daran, dass die Hafenstadt in der Vergangenheit immer wieder unter italienischer Herrschaft geriet.

Wir ließen uns durch die Altstadt treiben, machten auch immer wieder Halt und späten durch die Schaufensterscheiben nach feinem Gebäck, Ölen, Feigen in unterschiedlichster Verarbeitung und anderen Leckereien, jedoch ohne unser Ziel vor Augen zu verlieren: Vom knapp 100 m hohen „Schlosshügel“ soll es den besten Blick über die Stadt geben. 100 m klingen erstmal nicht viel, tatsächlich ist der Anstieg aber nicht ohne, da er sich wie beschrieben durch die Altstadt schlängelt und die Steigung schon beachtlich ist. Man wird aber ganz sicher mit einem wunderschönen Blick belohnt. Von oben sieht die Küste malerisch und gleichzeitig ziemlich beindruckend aus, denn die Côte d’Azur wird ihrem Namen allemal gerecht: Das Wasser hat eine einmalige azurblaue Farbe, wird dann zum Strand hin ganz plötzlich hell-türkis und ist dabei in jeglichen Farbschattierungen doch irgendwie milchig.

Läuft man noch ein bisschen weiter hat man auf der anderen Seite einen ausgezeichneten Blick auf den Hafen von Villefranche-sur-Mer und – was fast noch besser ist – auf einfliegende Flugzeuge. Als wir dort standen, flog gerade ein A380 von Emirates ein, was einen ziemlich majestätischen Anblick darbot. Aber auch die vielen Sukkulenten und Kakteen, die den Blick auf den Hafen rahmen, haben es mir angetan und ich habe bestimmt 1000 Fotos geschossen – alle gleich und alle doch so unterschiedlich. Ich konnte mich einfach nicht sattsehen.

Allerdings konnten wir zusehen, wir urplötzlich Wolken hinter den Hügeln aufstiegen und sich in Windeseile verdichteten. Der Himmel wurde auf einmal ganz dunkel und es grummelte ein etwas tiefer im Innenland und so machen wir uns auf, den Berg schleunigst zu verlassen. Tatsächlich kamen wir nicht wirklich weit, denn schon bald begann es in Strömen zu regnen und wir retteten uns in eine nahegelgene Crêperie und verdrückten jeder einen Crêpe mit Schinken, Käse und Ei – auch bekannt unter dem Namen “Galette Bretonne” – wir aßen also ein brettanischen Crêpe in der Provence ;)

Auf Grund des leider andauernden Regens liefen wir anschließend schnellen Schrittes in Richtung Stadt (geschützt durch eine Plastikfolie, die wir von der Crêperie bekommen hatten … merke: hab immer einen Regenschirm dabei!). Auf halbem Weg lagen die Galeries Lafayette, also warum nicht das schlechte Wetter ausnutzen, um bei Regenwetter ein wenig zu shoppen. Gesagt getan: Wir verbrachten ein, zwei Stündchen in den Galeries Lafayette und waren tatsächlich auch erfolgreich. Bei der Marke KOOKAÏ, die es leider nicht mehr in Deutschland gibt, habe ich ein paar schöne Teile ergattert, die mich jetzt immer an unseren kleinen Wochenendtrip nach Nizza erinnern.

Als es im Anschluss immer noch in Strömen regnete, gingen wir zurück ins Hotel und tranken einen Rosé an der Hotelbar auf dem Dach, die einen netten Blick auf die umliegenden Häuser darbot, sich im Regen und bei verhangenen Himmel aber sicherlich nicht von ihrer spektakulärsten Seite zeigte. Abends gingen wir noch in ein französisches Restaurant in der Nähe, das kaum der Rede wert ist und gingen früh ins Bett, in der Hoffnung, am nächsten Tag wieder besseres Wetter zu haben.

TAG II

Glücklicherweise wurden wir nicht enttäuscht. Als wir am nächsten Morgen erwachten, strahlte der Himmel wieder in einem wunderschönen Blau und auch die Sonne war zurück. Dieses Mal wollten wir das Wetter ausnutzen, immerhin waren wir am Vortag böse überrascht worden. Deshalb packten wir unsere Strandsachen ein, gingen erneut zu unserer Boulangerie vom Vortag, bestellten Croissants und Baguettes und setzten uns aber dieses mal nicht vor die Tür, sondern direkt an den kleinen Strandabschnitt in der Nähe, an dem wir schon am Vortag gewesen waren. Einen ganzen Tag würde ich hier zwar nicht verbringen, aber mit einem leckeren Pain Au Chocolat und einem Café au Lait lassen sich hier ganz sicher ein paar nette Stündchen verbringen.

Im Anschluss schlenderten wir noch einmal durch den restlichen Teil der Altstadt, den wir am Vortag auf Grund des Regens verpasst hatten und ließen uns auch dieses mal wieder treiben. Hier reiht sich ein italienisches Restaurant an das nächste (immerhin ist die Grenze zu Italien keine 40km entfernt…) und die Luft riecht nach Pizza, Tomaten, Feigen und allerlei Süßem. Leider waren die meisten Restaurants am Nachmittag geschlossen, sonst hätten wir hier gerne noch gegessen. Stattdessen aßen wir unser letztes Mahl in Nizza in einem eher einfachen Restaurant an der Promenade des Anglais. Offen gesagt hatten wir uns diese doch luxuriöser vorgestellt, aber vielleicht waren wir auch einfach nur am falschen Abschnitt unterwegs? Zumindest war das Essen sicherlich preislich wie auch qualitativ typisch für eine ganz normale Strandpromenade, aber nicht für was wir von einem der mondänsten und luxuriösesten Strandabschnittes des Mittelmeers erwartet hätten. Vielleicht müssen wir aber auch einfach noch einmal wiederkommen, um uns des Besseren zu überzeugen. Jedenfalls ging es an diesem Abend wieder zurück ins regnerische Berlin. Und noch am selben Abend fehlte mir schon der französische Rosé, begleitet von mediterraner Küche… Nizza macht definitiv Lust auf Frankreich und wahrscheinlich noch mehr auf Italien … weshalb Südfrankreich und die Toskana nun einen Platz auf unserer Bucket List für 2019 ergattert haben.